Am Salon Public zum Thema SMART Home. Foto: Remo Neuhaus

Salon Public - SMART Home

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Am Nachmittag wurde am Salon Public im Berner Kursaal zum Thema SMART Home referiert und diskutiert.

Ein meterlanger Tisch, daran sitzt eine grosse Gruppe aus dem Dorf und geniesst das gemeinsam zubereitete Essen aus lokalen Zutaten, im Hintergrund weiden Kühe. Danach kehrt jeder auf den Kiespfaden in sein energieeffizientes Daheim zurück oder dreht noch eine Runde mit dem Stand Up Paddle auf dem kleinen See am Dorfrand. Zugegeben, die Vision die uns der Amerikaner James Ehrlich in seiner Rede mitgab, bringt die Dorfromantik auf ein neues Level. Denn im Hintergrund der sich selbst versorgenden Dörfer namens «ReGen Villages» steht eine Management-Software, die selbständig lernt und die ganze Infrastruktur optimiert. Natürlich kann man sich nun fragen, ob man nicht lieber selber entscheidet, wann man die Heizung einschaltet oder frische Luft in die Wohnung lässt. Und viele essen lieber auch mal alleine oder in ganz kleiner Runde. Die Vision von Ehrlich bietet viele wunde Punkte, wo man mit Kritik andocken kann. Doch das ist nicht der Punkt. Sondern, dass es Menschen wie Ehrlich braucht, die unerschütterlich an ihre Mission glauben, die einen Gedanken in die ganze Welt hinaustragen. Und wer ihm zugehört hat, der ist bestimmt überzeugt: Dieser Mann will aus tiefstem Herzen die Welt verbessern.

James Ehrlich bei seinem inspirierenden Referat. Foto: Remo Neuhaus

Dr. Peter Richner, stellvertretender Direktor der EMPA zeigte im Kontrast dazu tatsächliche Bauten und bereits umgesetzte Forschungsobjekte. Nicht minder faszinierend. Er zeigte auch auf, wie breit die Interpretation von einem «intelligenten Gebäude» angelegt werden kann. Schon die Planung eines Hauses ist eminent wichtig. Früher hat man sich kaum Gedanken gemacht, wie das verwertete Material rückgebaut und wiederverwertet werden kann. Oft wurden Bauteile so verbaut, dass beim Abriss komplett zerstört werden mussten. Intelligent ist also auch ein Haus, das so gebaut ist, dass es sich leicht wieder demontieren oder umnutzen lässt.

Ob komplett oder modular, also teilweise. Ein Beispiel für eine modulare Bauweise ist das Forschungs- und Innovationsgebäude NEST auf dem Empa-Areal, dessen Räume wie Schubladen einer Kommode ausgewechselt werden können. So entsteht massiv weniger Abfall. Umgekehrt formuliert: die Ressourceneffizienz steigt, was die Kreislaufwirtschaft begünstigt. Wenn ein Haus mit Solar Panels mehr Energie produziert, als es selber verbraucht, kann die Energie beispielsweise für E-Tankstellen aufbereitet werden. Richner nahm aber auch auf die «klassischere» Art von SMART Home Bezug, und erklärte, wie viele Emissionen mit einer intelligenten Steuerung, beispielsweise der regulierten Verwendung von Warmwasser, eingespart werden können. Es sind etwa 40%! In Erinnerung blieb auch der Film des Roboters, der ein vertikal geschwungenes Drahtgeflecht armierte. Die so entstandene, wenige Zentimeter dünne Mauer kann als tragende Wand für ein ganzes Stockwerk eingesetzt werden. Dr. Peter Richner hätte noch einige Stunden weiterreden können, an Inhalt mangelt es dem passionierten, öffentlichen Vertreter dieses Elite-Institutes bestimmt nicht!

Dr. Peter Richner, Stellvertretender Direktor der EMPA. Foto: Remo Neuhaus
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Aus unserem nördlichen Nachbarsland ist Prof. Dr. Birgit Wilkes, Vorsitzende des SMART Home Awards Deutschland, angereist. Sie betonte, dass sich am Schluss nur dem Menschen Nützliches durchsetzen wird. Ihr Beispiel war eine Funktion, die automatisch den Herd ausschaltete, sollte das vergessen gehen. Einerseits sinkt so die Gefahr eines Brandes, andererseits wird unnötiger Energieverbrauch vermieden. Den grössten Nutzen sahen aber die in diesem Beispiel älteren Bewohner*innen darin, dass sie sich ausser Haus keine Sorgen mehr machen mussten, ob der Herd auch sicher ausgeschaltet sei. Auch Dr. Stephanie Teufel vom Smartliving Lab der Universität Freiburg stellte den Menschen und nicht die Technik ins Zentrum der Überlegungen. Und auf charmante Art riet sie diesem, er solle seine Komfortzone verlassen und seinen Mut zeigen.

Christian Pfab, Leiter Automation bei der BKW, erklärte, warum die Verbreitung der technischen Innovationen im Gebäudebereich viel langsamer vorangeht als in anderen Bereichen. Häuser sind für sehr lange Zeiträume gebaut und werden nicht alle zwei Jahre saniert oder aufgerüstet. Auch er betonte die Vorteile vom smarten Gebäuden für den Menschen (nebst der Energieeinsparungen): deutlich grösserer wahrgenommener Komfort.

Die beruhigende Erkenntnis? Der Mensch bestimmt summa summarum immer noch die Technik und nicht umgekehrt.

Erste Veröffentlichung: 
2.11.2021
  |  Letztes Update: 
11.11.2021
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