Henok Andemikael arbeitet heute fest für das Unternehmen Helion und kann für seine Familie sorgen. Den Einstieg fand er über das «Refugees go Solar+»-Programm. Foto: Helion

Wie Flüchtlinge helfen, die Energiewende zu meistern

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In der Schweiz fehlen Fachkräfte für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Bestehende Lücken könnten aber auch mit Flüchtlingen gefüllt werden. Das Integrationsprogramm «Refugees go Solar+» zeigt, wie es geht.

Der Schweiz fehlen derzeit an allen Ecken und Enden Spezialistinnen und Spezialisten. Besonders betroffen: die Energiebranche im Bereich der erneuerbaren Energien. Laut Branchenverband Swissolar fehlen allein für den Ausbau von Photovoltaikanlagen über 20’000 Fachkräfte.

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«In der Branche arbeiten aktuell rund 7600 Leute, bis 2050 werden es über 28’000 sein», sagt Noah Heynen, CEO des Energieunternehmens Helion. In den nächsten Jahren müssten jedes Jahr rund 1600 Leute angestellt werden, dies stelle eine enorme Herausforderung an die Branche dar. Allein Helion stelle momentan bis zu 20 neue Mitarbeitende pro Monat ein.

Das Problem ist auch selbst verschuldet. Erst ab 2024 bietet die Branche eine eigene Lehre für Solarteure mit Eidg. Fähigkeitsausweis an. Zu spät wurde erkannt, wie schnell der Ausbau der erneuerbaren Energien voranschreitet. «Wir nehmen Leute aus anderen Berufen und schulen sie um», sagt Heynen. Als Beispiele nennt er artverwandte Berufe wie Dachdecker oder Elektroinstallateure aber auch Quereinsteiger zum Beispiel aus der Automechanik.

Flüchtlinge als Installateure

Nicht jeder, der eine Solaranlage auf einem Dach montieren kann, muss indessen Fachspezialist sein. Für manche Arbeiten reichen Leute mit handwerklichem Geschick und einer einfachen Grundausbildung. Hier setzt das Arbeitsintegrationsprogramm «Refugees go Solar+» an: Flüchtlinge helfen bei der Installation von Solaranlagen.

Ins Leben gerufen wurde «Refugees go Solar+» von den Non-Profit-Organisationen Root & Branch und Solafrica unter mithilfe von Swissolar. Mehrere Energieunternehmen machen mit, so etwa 3S Solar Plus, Clevergie, ISP Electro Solutions und Helion.

«Bei uns absolvieren die Flüchtlinge zunächst eine Schnupperphase von einem bis drei Monaten», sagt Heynen von Helion. Ein technisches Verständnis sei zwar von Vorteil, wichtiger aber seien der Wille und die Freude. Auf die Schnupperlehre folge ein Praktikum von sechs Monaten, während dem sie ihr Handwerk auf dem Bau lernen. Das Ziel: die feste Anstellung. Heynen: «Bis Ende 2022 rechne ich mit fünf neuen Festangestellten.»

Ein doppelter Gewinn

Die bisherigen Erfahrungen seien «extrem gut», wie Heynen sagt. Sie würden seit mehreren Jahren mit Flüchtlingen arbeiten. Dabei gehe es nicht nur ums Geschäft: Während Menschen in Not neue Berufsperspektiven erhalten, verändere sich auch bei den festen Helion-Angestellten das Denken. «Viele wollen helfen», sagt er. Aus der Zusammenarbeit seien auch private Freundschaften entstanden.

Generell malt Heynen die Zukunft des Arbeitsmarkts nicht ganz so schwarz, wie sie bisweilen prophezeit wird. Besonders die junge Generation meine es ernst damit, etwas Sinnvolles zu leisten. Aber: «Wir Handwerker müssen uns in den Hintern treten und die alten militärischen Führungsstrukturen ablegen», sagt er.

All die Anstrengungen zusammen – die kommende Berufslehre, Programme wie «Refugees go Solar+», ein moderneres Jobangebot – würden dazu führen, dass der Fachkräftemangel behoben werden kann. Heynen: «Ich bin überzeugt, dass wir es hinbringen.»

Einführung: Léon Bickel-Pasche erklärt vier Teilnehmenden des «Refugees go Solar+»-Programms, wie eine Fotovoltaikanlage montiert wird. Foto: Helion
Erste Veröffentlichung: 
15.7.2022
  |  Letztes Update: 
15.7.2022
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