Nichts währt ewig
Sauerbruch prophezeit ein völlig verändertes Verständnis von Architektur. Demnach wird neues Bauen immer ein Um- und Weiterbauen sein. Ein neues Gebäude wird nicht für die Ewigkeit stehen, vielmehr werden die Komponenten, aus denen es zusammengebaut ist, patchworkartig zu einem Neuen zusammengesetzt. In einem exklusiven Vorab-Interview gibt der Visionär Antworten zum Thema «Haus der Zukunft»:
Herr Sauerbruch, wie sieht das Haus der Zukunft aus?
Matthias Sauerbruch: Es ist vielfältig und mehrdeutig, es reagiert auf die Stadt und das Klima, es zeigt seine Materialien und ist farbig. Das Haus der Zukunft ist grosszügig und anpassbar, es entwickelt sich und bleibt immer unvollständig. Das Haus der Zukunft ist viele Häuser.
Ist das Haus der Zukunft rezyklierbar?
Ja, zunächst einmal ist es flexibel, resilient und deshalb vielfach nutz- und interpretierbar und wenn es dann tatsächlich zurückgebaut werden soll, kann man es in seine Grundmaterialien zerlegen und wieder verwenden.
Wird das Haus der Zukunft vom ökologischen Saulus (Energieschleuder) zum ökologischen Paulus (Kleinkraftwerk, vertikale Gärten etc.)?
Das Haus der Zukunft reduziert seinen Energiebedarf so radikal wie möglich; für den verbleibenden Rest deckt es seinen Verbrauch aus der eigenen Ernte und produziert surplus für die Nachbarschaft. In Holz gebaut, fungiert es als CO2-Senke und stimuliert das Wachstum neuer Wälder, die ihrerseits CO2 binden und Sauerstoff produzieren. Das Haus der Zukunft kann nicht nur helfen, die CO2 Emissionen des Bausektors drastisch zu verringern, es könnte den Klimawandel aufhalten, sogar umdrehen, wenn seine Grundprinzipien global angewandt werden würden.
Wie sieht die Stadt der Zukunft aus?
Dicht, grün, dreidimensional, vielfältig und stimulierend, gemeinwohlorientiert, abwechslungsreich und immer überraschend. A great place to be!